Virginia Rodrigues geboren 1964 in Salvador da Bahia hält sich von Jugend an mit harter und schlecht bezahlter Arbeit in Wäschereien und Küchen über Wasser. Allerdings fällt Virginia Rodrigues schon immer durch ihre aussergewöhnliche, voluminöse Alt-Stimme auf, mit der sie die Feiern der in Bahia äusserst populären protestantischen Pfingstkirche verschönert. Virginia Rodrigues beginnt Gesang zu studieren. Verdi, Gounod und Bach in klassischen Arrangements. Im Teatro Vila Velha entdeckt Caetano Veloso die junge Sängerin, produziert mit ihr die erste Platte "Sol Negro", bereichert durch Gastauftritte von Milton Nascimento, Gilberto Gil, Djavan und Caetano selbst. So wird denn auch ihre zweite Platte "Nós" eine atemberaubende, quasi symphonische Umformung von bahianischen Carnaval-Hits, die man sonst von Axê-Musikern wie Olodum oder Daniela Mercury hört. Auf ihrem dritten Werk ist es ihr vielleicht am überzeugendsten gelungen, die afro-brasilianische Seele klassisch herauszuarbeiten: "Mares Profundos" liefert eine mit Streichern und Chor opernhaft-dramatische, dann wieder ganz schlichte perkussive Umsetzung der berühmten Afro-Sambas von Bossa-Gitarrist Baden Powell. Mit ihren dunkel getönten, fast mythisch anmutenden und doch so warmherzigen Vokalisen hat sich die einst unbekannte Stimme aus dem Armenviertel Salvadors in ihrer Heimat und vor allem in Europa einen exzellenten Ruf beim Weltmusik- und Klassik-Publikum erobert.
